Feindbild Welt (Infektiologie, Mikrobiota, Ökologie, Sonne)

Infizieren ist entlehnt aus dem lateinischen "inficere", eigentlich mit etwas anmachen, mit etwas (z.B. Gift) tränken. Im Zusammenhang mit Infektionen wird in den Medien oft von "Killerbugs", Todesviren und teuflischen Pilzen berichtet. Man hat den Eindruck, dass die Natur sich gegen den Menschen verschworen hat. Sie will offenbar den Menschen ausrotten. Wir müssen daher gegen die Natur kämpfen.

Versucht man sich jedoch im Denken, so wird schnell klar, dass wir selbst ein Teil der Natur sind und es keinen Sinn macht gegen uns selbst zu kämpfen. Ein Kampf gegen die Natur ist stets fatal. Hinzu kommt noch die folgende Tatsache:

  • Ein Mensch hat "nur" 10*13 Zellen
  • In und auf dem Menschen leben 10*24 Mikroorganismen!

Sind dies nun alles "Erreger" die in Überzahl auf und in uns leben und uns permanent nach dem Leben trachten oder einfach nur "Keime".

Was sagt hierzu Rudolf Steiner (1861 - 1925), der Begründer der Anthroposophie?

"Sie entdecken eine Landschaft, in welcher Sie eine große Anzahl vorzüglich genährter und gut aussehender Kühe finden. Werden Sie dann sagen: weil diese Kühe irgendwie hereingeflogen sind, weil die Landschaft angesteckt worden ist durch diese Kühe, ist das alles, was Sie da sehen, so wie es ist?

Nun werden Kritiker sofort sagen: "Rudolf Steiner war ja kein Arzt!" Dies ist richtig.

Was sagt zu diesem Thema daher einer der größten deutschen Ärzte, Rudolf Virchow (1821 - 1902)?

"Mikroorganismen suchen ihre natürliche Umgebung, das erkrankte Gewebe; sind aber genauso wenig Ursache der Erkrankung wie Mücken, die zwar stehendes Wasser benötigen und aufsuchen, um sich vermehre zu können, aber nicht die Ursache sind, dass das Wasser still steht."

Die beiden Männer hatten offenbar nicht nur gleiche Vornamen sondern waren in der Lage ihren Verstand zu gebrauchen. Es kann sich bei den Mikroorganismen nur um Keime handeln. Stimmt der Nährboden, so geht der Keim auf. Wollen wir eine Infektion verstehen, so müssen wir uns mit dem dazugehörigen "Nährboden" befassen, also mit dem Menschen, der von einer Infektion betroffen ist.

Jedem Bakteriologen ist der entscheidende Einfluss des Nährbodens auf das Wachstum von Bakterien bekannt. Jeder Landwirt kennt das Phänomen der bodenanzeigenden Pflanzen. Man kann von den Pflanzen auf den Boden zurückschließen.

Mit der Untersuchung der überorganismischen Beziehungsgefüge beschäfitgt sich die Ökologie. Sie ist der Schlüssel zum Verständnis der Infektion.

Manchmal ist es durchaus sinnvoll "Mücken zu vernichten". Besser ist es jedoch einen Tümpel erst gar nicht enstehen zu lassen. Somit behandeln auch wir mit Antibiotika, wenn dies sein muss, versuchen jedoch die Hintergründe einer Infektion zu ermitteln um künftigen Infektionen vorbeugen zu können. Nach erfolgter "Antibiose" legen wir Wert auf den Aufbau der durch die Therapie geschädigten und dezimierten, körpereigenen Flora. (siehe auch Darmflora-Analyse)

Erreger gibt es nicht! Es gibt aber ein neu entdecktes Organ: das Mikrobiom.

Um den richtigen Mix kümmert sich der ökologische Ansatz. Wir sind Bestandteil der Natur. Die Natur will uns nicht fressen! Wichtig für die Natur ist auch die Sonne. Auch davor brauchen wir uns nicht zu fürchten.