Gefährliche, tödliche Sonne oder Heliotherapie?

Seit Urzeiten wird die Sonne von den Menschen verehrt. Wir finden Sonnentempel bei den Inkas und bei den alten Ägyptern. In Rom gab es das Recht auf Licht. Der Besuch von Solarien gehörte in Rom zum täglichen Leben.

Im British Medical Journal vom 4.3.1916 schreibt Ltd. Col. Sir Berkly Moynihan: "In the treatment of all gunshot wounds where the septic processes are raging, and the temperature varies through several degrees, an immense advantage will accrue from placing patients out of doors." (In der Behandlung von Schussverletzungen, wo die septischen Prozesse vorherrschen und die Temperaturen stark schwanken ist es von besonderem Vorteil die Patienten draußen zu behandeln.) Im ersten Weltkrieg wurden verwundete Soldaten mit Ihren Wunden dem Sonnenlicht ausgesetzt um eine schnelle Heilung herbeizuführen.

Dann kam die Antibiotika Ära. Es war einfacher den Patienten eine Pille zu verabreichen, als sie nach draußen zu bringen, außerdem konnte man an den Pillen auch gut verdienen. Man hätte das Eine tun und das Andere nicht lassen sollen! Hinausbringen der Patienten und die Pillen für die hartnäckigen Fälle. Bequemlichkeit und Raffgier beendeten so die Lichttherapie. Jetzt jammert man über Resistenzen.

Die neuen Parolen lauten: Sonne ist gefährlich; Sonne ist tödlich. Vor der Sonne müssen wir uns schützen. Vor Hautkrebs wird gewarnt. Wir sollen uns verhüllen und hohe Sonnenschutzfaktoren verwenden. Idealerweise sollen wir uns verhalten wie Graf Dracula. Fürchte Dich vor dem ersten Lichtstrahl, Du könntest zu Staub zerfallen!

Insbesondere der Einsatz von hohen Sonnenschutzfaktoren in Sonnenschutzprodukten kann das Krebsrisiko erhöhen.. Droht ein Sonnenbrand, so bemerken wir dies. Die Haut fängt an zu schmerzen. Hohe Sonnenschutzfaktoren schalten diesen natürlichen Mechanismus aus.

Hohe Sonnenschutzfaktoren und das Vermeiden von Sonnenlicht führen schließlich zu einem Vitamin D Mangel. Vitamin D (ein Hormon) ist nicht nur für den Knochenstoffwechsel verantwortlich. Die Hautpaufgabe dieses Hormons liegt in der Stabilisierung des Immunsystems. Es ist hierbei ein Schlüsselhormon. Ein Mangel führt zu verminderter Infektabwehr und sogar zur Entstehung von Krebs. Maximal sollten daher Sonnenschutzfaktoren bis 6 verwendet werden. Vit.D wird im Freien erst ab einem UV-Index von 3 gebildet.

Insbesondere Menschen dukler Hautfarbe sind in unseren Breiten gefährdet. Sie haben von Natur aus einen hohen Sonnenschutzfaktor und benötigen hierzulande ärztlicher Begleitung. In den USA ist der UV-Index nördlich der "Colorado-Linie" oft nicht ausreichend.

Es ist sinnvoll bei Infektanfälligkeit oder Krebserkrankung den Vitamin D Spiegel zu überprüfen und ggfs. adäquat zu substituieren (ebenfalls Vit.K2 (MK7) und Vit.A bei Kindern und Langzeitbehandlung, ohne vorausgehende Messung). 

Eine routinemäßige Gabe von Vit.D bei Kindern (Gießkannenprinzip) lehne ich ab. Substituiert wird nur bei Mangel und ggfs. mit noch weiteren Hilfspräparaten. Auch hier ist wieder der gesunde Menschenverstand gefordert. 


Persönlichkeiten der Lichttherapie:
Dr. George Bodington (1799 - 1882), Florence Nightingale (1820 - 1910), Dr. Niels Finsen (1860 - 1904), Dr. Oskar Bernhard (1861 - 1939), Dr. Auguste Rollier (1874 - 1954), Sir Henry Gauvain (1878 - 1945), Sir Leonhard Hill (1866 - 1952).

weiterführende Literatur: Richard Hobbay, 1999: The Healing Sun, Sunlight and Health in the 21st Century. Findhorn Press