K i n d e r

  • Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder. Dante Alighieri (1265-1321)

Geburt Sauberkeit  Jahrsiebt Waldorfkindergarten Waldorfschule Behandlung

Geburt 

Die Anthroposophie ist ein Weg um "das Geistige des Menschen mit dem Geistigen des Kosmos" zu verbinden. Hierbei wird von einem ewigen geistigen Kern ausgegangen, den Rudof Steiner als das "Ich" bezeichnet hat. Dieses Ich verkörpert (inkarniert) sich, durchläuft eine Entwicklung auf dem "Erdenplan" und geht dann wieder zurück in die geistige Welt.

Kinder kann man daher nicht machen, man kann sie lediglich empfangen!

Im Waldorfkindergarten wird am Geburtstag die Geschichte von dem Kind erzählt, das begleitet von seinem Engel über den Regenbogen zu seinen Eltern und Geschwistern kommt und sich sehr darauf freut mit ihnen sein zu dürfen. Schaut man in die Augen eines kleinen Kindes, so kann man noch die Nähe zu der geistigen Welt spüren, die das Kind erst vor kurzem verlassen hat.

Im wahrsten Sinne "armselig" ist dagegen die Vorstellung der Materialisten, die ein Kind doch eher als Produkt seiner Gene verstehen. Das Kind wird so auf einen kleinen Fleischklumpen reduziert, aber damit kann man standardisiert arbeiten und den Fleischklumpen betrachten, messen, wiegen etc.. 

Der Kern-Physiker Hans-Peter Dürr (geb. 1929) sagte einmal: "ich habe 50 Jahre lang versucht herauszufinden was Materie ist, jetzt weiß ich, es gibt keine Materie." Es ist sehr schwer zwischen Illusion und Realiät zu unterscheiden, auch wenn man meint, dass die Dinge banal seien. Das Einzig Reale sind Kinder. Insofern ist "Kinderreichtum" der einzige Reichtum zu dem es ein Mensch bringen kann    (dies beinhaltet auch die Möglichkeit einer Adoption).

Solon (griechischer Staatsmann, 640 v. Chr.) teilte das Menschenleben in Jahrsiebte ein und beschrieb zehn Jahrsiebte. Das erste Jahrsiebt ist beendet, wenn das Kind anfängt seine dauerhaften Zähne zu erhalten. Das zweite Jahrsiebt ist mit der Geschlechtsreife beendet. Am Ende des dritten Jahrsiebts wird das Erwachsenenalter erreicht. (Daher Wahlrecht früher 21 Jahre, jetzt politisch gewollt 18 Jahre; bessere Manipulierbarkeit) In der Waldorfpädagogik und der Anthroposophischen Medizin spielen die Jahrsiebte eine große Rolle. Im Folgenden gehe ich nur auf das erste Jahrsiebt (Säugling, Kleinkind, Schulkind) ein. Das Wesentliche hierzu habe ich aus dem Buch "Entwicklungsphasen des Kindes von B.C.J. Lievegoed, J.CH. Mellinger Verlag, Stuttgart 1995, entnommen.

Das erste Jahrsiebt beinhaltet

  • 0 - 1 Jahr: Säuglingsphase
  • 2 - 4 Jahr: Kleinkindphase (= erste körperliche Füllung)
  • 5 - 7 Jahr: Übergang zum Schulkind (= erste körperliche Streckung)

Der Säugling ist ganz abhängig von seiner Umgebung, bzw. er gibt sich ohne Vorbehalt seiner Umgebung hin. Innerhalb von 5 Monaten verdoppelt das Kind sein Körpergewicht. Dem Wachstum muss daher alles andere untergeordnet werden. Die wichtigste Bewusstseinsfunktion ist die Wahrnehmung. Das Kind dieser Periode, das scheinbar "noch nichts begreift", nimmt die tieferen Seeleninhalte seiner Umwelt am allerintensivsten auf.

Anfangs ist der eigene Leib noch eine unbekannte Außenwelt. Darauf folgt die Entdeckung der eigenen Beinchen und Händchen. Es ist das gleiche belustigende Schauspiel wie bei einem jungen Kätzchen, das seinem eigenen Schwanz auflauert. Ist schließlich die eigene Leiblichkeit dem entdeckten Teil der Welt einverleibt, dann kann sie gebraucht werden, um weitere Gebiete der Welt zu erkunden. 

Bereits während des Aufrichteprozesses entwickelt sich eine neue, menschliche Fähigkeit: das Sprechen (Gehen - Sprechen - Denken). Das ich-Bewusstsein erwacht um das dritte Jahr herum. Das Kind bekommt ein Bewusstsein seines eigenen Seins. Das Ich steht nun der übrigen Welt gegenüber. Es kann seinem Ich Ausdruck verleihen indem es "nein" sagen kann. Oft stehen die Kinder etwas erhöht (z.B. auf einer Leiter) wenn sie das erste Mal "ich" sagen und sind über ihr eigenes "ich" sehr erstaunt.

In den ersten Kinderjahren spielen die Kinder mit demjenigen was sich zufällig innerhalb des Gesichtskreises befindet. Hat das kleine Kind größere Geschwister so will es eben auch gerade damit spielen was die Großen sich vorgenommen haben. Überlassen die Großen dem kleinen Geschwisterchen das Spielzeug und wenden sich einem anderen zu, um Ruhe zu haben, so kommt das kleine Geschwisterchen gleich wieder herbei um genau mit diesem neuen Spielzeug zu spielen. Hier können die Eltern vermitteln.

Im vierten Lebensjahr kommt die schöpferische Phantasie hinzu. Der Teppich wird zur ganzen Welt, der Karton zum Auto und der Lappen zum Kleid. Im fünften Lebensjahr wird aufgebaut, z.B. ein Sandkuchen nach dem anderen, und wenn kein Kuchen mehr hinpasst, so wird alles umgeschmissen und erneut angefangen zu bauen.

Anders ist es im sechsten Lebensjahr. Nun muss das Erbaute Beständigkeit bekommen. Über eine Brücke aus Sand muss auch ein Spielzeugauto fahren können. Und wehe ein kleineres Geschwisterchen schmeißt die Brücke um. Das was vorher noch bejubelt worden wäre ist nun eine Katastrophe. Gerade jetzt war es so schön und nun ist es kaputt! Auch hier müssen Eltern wieder vermitteln können.

Schließlich bemerkt das Kind, das es viele Dinge nicht so gut kann. Die Kiste, vorher noch ein schönes Auto, ist jetzt eben doch nur eine Kiste. Jetzt werden die Menschen bewundert, die z.B. aus Holz ein Auto basteln können. So will das Kind diese Dinge nun erlernen und da setzt die Schulreife ein. Es freut sich nun darauf auch all diese Dinge eines Tages selbst zu können.

Waldorfkindergarten 

Aus der Beschreibung der Entwicklung im ersten Jahrsiebt folgt, dass ein Kind bis zur Einschulung mit sieben Jahren nicht mit Rechnen, Scheiben und mit sonstigem theoretischen Kram vollgestopft werden sollte. Im Waldorfkindergarten geht es um Rhythmen im Tageslauf und in der Woche und um die Wahrnehmung der Jahreszeiten. Der Schwerpunkt liegt in der Nachahmung des Erwachsenen (Erziehers). Bei der Ernährung wird in der Regel auf biologisch erzeugte Produkte und meistens auf vegetarische Ernährung Wert gelegt. Die Kinder helfen bei der Zubereitung der Speisen mit. Sie bewegen sich im Kindergarten wie früher die Kinder in einer Großfamilie.

Waldorfschule/Rudolf Steiner Schule 

Wie zuvor bei den Jahrsiebten beschrieben strebt das Kind mit sieben Jahren danach ebenso viel zu können wie die Erwachsenen. Der Lehrer wird als Vorbild gesehen. Gern schließt das Kind sich dem Lehrer an. Hier liegt eine sehr große Verantwortung beim Lehrer diese Kinder auch weiterhin zu begeistern. Der Klassenlehrer begleitet die Kinder bis einschließlich der achten Klasse. Erst dann beginnt der eigentliche Fachunterricht durch unterschiedliche, spezialisierte Lehrer. Selbstverständlich beginnt man in der ersten Klasse mit zwei Fremdsprachen, in der Regel Englisch und Russisch, bzw. Französisch. Schreiben und Rechnen wird in so genannten Epochen unterrichtet. Epochen folgen dem Monatsrhythmus, d.h. es wird jeden Tag gerechnet und der nächsten Epoche eben täglich geschrieben. Die Schüler bleiben bis zur 12. Klasse zusammen. Danach kann der Hauptschulabschluss bzw. die Mittlere Reife Prüfung abgelegt werden. Schüler für de Abiturprüfung schließen ein 13. Jahr an, in dem der staatlich verordnete Stoff eingepaukt wird. Es wird also nicht schon nach der vierten Klasse "gesiebt". Manche Kinder brauchen einfach länger Zeit.

Mit Kindern ist es ein wenig wie mit Pferden beim Rennsport. Es sind nicht immer die Pferde die bereits am Start vorne sind, die ihre Nase zu guter Letzt durchs Ziel schieben. Ein guter Jokey weiß um diese Besonderheiten; viele Eltern und Politiker leider nicht.

Der Waldorfschulabschluss wird nach der 12. Klasse erreicht. Es wird vorher nicht ausgesmustert. Die Schüler legen dann die Abschlussprüfung für die Haupt- oder Realschule ab. Für die Erlangung der Hochschulreife folgt die 13. Klasse in der die Besonderheiten der staatlichen Prüfungsinhalte ergänzt werden.

Der großen Mehrheit, die auf den Staatsschulen schon nach dem 14. Lebensjahr am Ende der Pubertät einen Beruf ergreifen muss, ist eine echte Wahl nicht möglich. Insbesondere Mädchen im Alter von 15 Jahren werden oft als billige Arbeitskraft missbraucht um nach einer Anzahl Jahren entlassen und wieder durch jüngere ersetzt zu werden. Ein Weltbild von Ausbeutung und betriebsmäßiger "Verwertung" entsteht.

Alle Waldorfschulen arbeiten nach demselben Konzept. Ein Wechsel zu einer anderen Waldorfschule (z.B. bei Umzug der Familie an einen anderen Wohnort) ist unproblematisch. Selbst der Umzug in ein anderes Land ist, abgesehen von zunächst sprachlichen Problemen, unkompliziert. Ein deutsches Kind wird z.B. in Israel oder Japan seinen gewohnten Rhythmus wieder finden. Es wird für das Kind schön sein die Jahresfeste (Rhythmen) dort in der landeseigenen Weise erleben zu können und somit Zugang zu der neuen Kultur in dem ihm vertrauten Rahmen zu erhalten.

Als Ergänzung und unabhängig vor der Waldorfpädagogik: 

Alle reden von artgerecht gehaltenen Hühnern. Keiner spricht von artgerecht aufwachsenden Menschenkindern. Wenn Sie wissen wollen, was artgerecht für Menschenbabys ist, so können Sie dies im Projekt von Julia Dibbern und Nicola Schmidt erfahren.

www.artgerecht-projekt.de

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